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Sr. M. Dorothee: Es muss doch mehr geben...

sr dorothee

Sr. M. Dorothee

In meinem 19. Lebensjahr begegnete ich dem Leben, unserer Gesellschaft und den verschiedenen Institutionen von Kirche und Politik äußerst kritisch und gleichzeitig auch entschlossen in meiner Berufswahl und einer möglichen späteren Familienplanung. Mein Bedürfnis nach Unabhängigkeit und Freiheit war groß. Seit meiner Firmung besuchte ich keinen Gottesdienst mehr und die Frage nach dem Sinn im Leben oder nach einem Gott stellte sich mir gar nicht.

Das änderte sich schlagartig im Beisein einer Obduktion eines jungen Leichnams. Ich erinnere mich noch sehr genau, wie ich davon gefesselt war, einen Körper, angefangen von den kleinsten Gehirnstrukturen bis in die tiefsten Schichten unserer angelegten Anatomie einsehen zu dürfen. Als mein Sattheitsgrad von Neugierde über das „Geheimnis Körper“ erreicht war, spürte ich ein intensives Gefühl nach Wertschätzung und Annahme dieses für mich fremden und verstorbenen Menschen.

In einem einzigen Augenblick drängte sich mir die Frage auf: „Der Mensch muss mehr wert sein als diese Materie, die hier vor mir liegt, es muss noch mehr geben auf dieser Welt.“
In diesem Bewusstsein machte ich mich, immer noch berührt von diesem medizinischen Ereignis, auf die Suche nach „dem Mehr“ und fand ein Gebet: „Herr, wenn es dich wirklich gibt auf dieser Welt, bitte dann zeige dich mir so, dass ich kritischer Geist auch an dich glauben kann.“ Die Wirkung dieses Gebetes erreichte mich noch am selbigen Tag: „Ich bin IHM begegnet, mit Augenblicken der Verliebtheit, der Umarmung  und von Grenzenlosigkeit. Die Zeit stand für einige Momente still“.

Es dauerte nicht lange, dass ich an einem stillen Ort meine Gedanken hin und her bewegte und erkannte, so eine Erfahrung und Begegnung muss ins Leben hinverschenkt werden.
Mein ganzes Lebenskonzept und meine Sicherheiten waren durcheinander geraten. Nach einer Phase des Ringens und der Irritationen gab ich dem inneren Drängen nach, ließ meine Selbständig- und Unabhängigkeit im alten Leben zurück und trat mit einem Stück Risiko verbunden und einem geringfügigen Wissen über die Bibel und den Katechismus in den Orden der Barmherzigen Schwestern ein. Ich kannte nur das Vater unser und den jungen Glauben. Die erste bedeutendste Bibelstelle, die mich elektrisierte, war die Berufung des Saulus.

Heute, wenn ich Rückschau halte, ist es immer noch der gegenwärtige Herr, der leise, spürbar und oft verborgen sich finden lässt, in Begegnungen mit Menschen, in der Aufmerksamkeit von Begebenheiten,  in Zufallsprinzipien, im Leerwerden von Unwesentlichem, in seinen Krisen und Begrenztheiten, durch eine Bibelstelle und vor allem in der Stille.
Ich darf dankbar sein, sagen zu dürfen: Ich würde diesen Weg mit Gott wieder beginnen und ich weiß, warum ich glaube.
 
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